Velofahren im Schulzimmer?
Lernen in Bewegung – warum gleichzeitige Aktivität das Gehirn unterstützt
Lernen wird in der Schule noch immer oft mit Stillsitzen gleichgesetzt. Doch immer mehr Erkenntnisse aus Pädagogik und Neurowissenschaft zeigen:
Das Gehirn lernt nicht trotz Bewegung gut – sondern mit ihr.
Der Gedanke, dass Kinder sich erst bewegen sollen und danach lernen, greift zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, Bewegung und Lernen gleichzeitig zu verknüpfen.
In die Pedale treten und lesen – Lernen neu gedacht
Ein innovatives Beispiel aus dem Schulalltag zeigt, wie das konkret aussehen kann:
Eine Lehrerin hat spezielle Pedal-Stühle entwickelt, auf denen Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts sanft in die Pedale treten können, während sie lesen, zuhören oder arbeiten.
Die Bewegung ist rhythmisch, gleichmässig und niedrigschwellig – sie lenkt nicht ab, sondern reguliert. Kinder bleiben wacher, ruhiger und aufnahmefähiger. Besonders beim Lesen zeigt sich:
Der Textfluss wird stabiler, die Aufmerksamkeit hält länger an.
Hier wird Bewegung nicht als Pause verstanden, sondern als integraler Teil des Lernprozesses.
Warum gleichzeitige Bewegung Lernen unterstützt
Das Gehirn ist kein isoliertes Denkorgan. Es ist eng mit dem Körper verbunden.
Gleichmässige Bewegung aktiviert:
- die Durchblutung des Gehirns
- die neuronale Vernetzung
- die Selbstregulation von Aufmerksamkeit
Rhythmische Bewegungen – wie Pedalieren – wirken stabilisierend auf das Nervensystem. Sie helfen Kindern, Spannung abzubauen, ohne in Unruhe zu kippen. Lernen wird dadurch zugänglicher, nicht anstrengender.
Gerade Kinder mit hohem Bewegungsbedürfnis oder schneller Überforderung profitieren davon, wenn Bewegung erlaubt und integriert wird – statt unterdrückt.
Was das für Schule und Eltern bedeutet
Dieses Beispiel macht deutlich:
Nicht alle Kinder lernen optimal auf einem starren Stuhl, mit stillen Händen und ruhigen Füssen.
Lernumgebungen dürfen vielfältiger werden:
- Pedal-Stühle
- Wippmöglichkeiten
- Steh-Arbeitsplätze
- bewegte Sitzformen
Es geht nicht um „mehr Action“, sondern um passende Regulation. Wenn der Körper beschäftigt sein darf, kann sich der Kopf besser fokussieren.
Lernen darf sich bewegen
Die Frage ist nicht mehr, ob Bewegung ins Lernen gehört – sondern wie.
Gleichzeitig, integriert, selbstverständlich.
Wenn Kinder sich bewegen dürfen, während sie lesen, zuhören oder denken, erleben sie Lernen nicht als Kampf gegen den eigenen Körper, sondern als stimmigen Prozess.
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