Übersehene Spurenelemente bei ADHS
Wenn über ADHS gesprochen wird, stehen meist Medikamente im Zentrum der Diskussion. Was dabei oft untergeht:
Das Gehirn ist ein hochsensibles Stoffwechselorgan.
Bestimmte Spurenelemente sind direkt an Neurotransmission, Impulskontrolle und Emotionsregulation beteiligt.
Die Forschung zeigt: Nährstoffmängel können ADHS-Symptome verstärken – und ihre Korrektur kann bei einem Teil der Kinder unterstützend wirken.
Warum Spurenelemente neurobiologisch relevant sind
Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin entstehen nicht im luftleeren Raum.
Sie benötigen Cofaktoren, Enzyme und eine stabile neuronale Umgebung.
Fehlen diese Bausteine, kann das Gehirn Reize schlechter filtern, Impulse weniger gut hemmen und Emotionen schlechter regulieren – zentrale Themen bei ADHS.
1. Zink – entscheidend für Impulskontrolle und Dopaminregulation
Zink ist an der Regulation von Dopamin beteiligt, einem Neurotransmitter, der bei ADHS eine Schlüsselrolle spielt.
Studienlage:
- Mehrere kontrollierte Studien zeigen, dass Kinder mit ADHS häufiger niedrige Zinkspiegel aufweisen
- Zinkmangel wird mit erhöhter Impulsivität und Aufmerksamkeitsproblemen in Verbindung gebracht
- In einigen Studien führte eine Zinksupplementierung (unter medizinischer Kontrolle) zu einer Reduktion von ADHS-Symptomen
Quellen:
- Arnold et al., Zinc in the treatment of ADHD, Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology
- PubMed Review: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17343557/
2. Eisen – unterschätzt bei innerer Unruhe
Eisen ist notwendig für die Dopamin-Synthese im Gehirn. Besonders relevant ist dabei Ferritin, der Eisenspeicherwert – nicht nur der Hb-Wert.
Studienlage:
- Kinder mit ADHS zeigen häufiger niedrige Ferritinwerte
- Niedriges Ferritin korreliert mit stärkerer motorischer Unruhe und Aufmerksamkeitsproblemen
- Verbesserungen der Symptome wurden in Studien nach Ausgleich eines Eisenmangels beobachtet
Quellen:
- Konofal et al., Iron deficiency in children with ADHD, Pediatric Neurology
- PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15596007/
3. Lithium – kein Medikament, sondern Spurenelement?
Hier ist Differenzierung besonders wichtig.
Lithium ist kein klassisches Nahrungsergänzungsmittel. In der Forschung wird jedoch seit Jahren untersucht, ob sehr geringe, natürliche Lithiumspiegel (z. B. im Trinkwasser) mit emotionaler Stabilität und Impulskontrolle zusammenhängen.
Was die Forschung zeigt – und was nicht:
- Epidemiologische Studien zeigen Zusammenhänge zwischen niedrigen Lithiumspuren und höherer Impulsivität bzw. emotionaler Instabilität
- Es gibt Hinweise auf neuroprotektive Effekte in Mikro-Bereichen, weit unterhalb medikamentöser Dosierungen
- Keine Empfehlung zur Selbstsupplementierung – sondern ein Forschungsfeld, das medizinische Begleitung voraussetzt
Quellen:
- Schrauzer, Lithium: Occurrence, dietary intakes, nutritional essentiality, Journal of the American College of Nutrition
- PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17182482/
Wichtiger Hinweis
Spurenelemente allein machen noch keine ganzheitliche ADHS-Therapie.
Aber sie sind auch kein esoterisches Randthema.
Die aktuelle Studienlage spricht klar dafür:
– Mängel können Symptome verstärken.
– Eine gezielte Abklärung kann sinnvoll sein.
Entscheidend ist:
- individuelle Diagnostik
- fachärztliche Begleitung
- keine pauschalen Supplement-Empfehlungen
Was Eltern konkret tun können
- Bestehende Blutwerte kritisch prüfen (nicht nur „Normbereiche“)
- Ferritin, Zink & weitere Mikronährstoffe gezielt ansprechen
- Ernährung und Stoffwechsel als Teil des Gesamtbildes verstehen
- Nicht alles auf Verhalten oder Erziehung reduzieren
ADHS ist kein reines Verhaltensproblem – sondern eine neurobiologische Besonderheit mit körperlichen Grundlagen.
Genau hier setzt unser ADHS-Camp an
Im Teil 1 „Ernährung für das neurodivergente Gehirn“ zeigen wir:
- welche Laborwerte wirklich relevant sind
- wie Ernährung das Gehirn unterstützt
- wo Chancen liegen – und wo klare Grenzen
- wie Eltern informierte Entscheidungen treffen können
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